Sicher zuhause im Alter – Das eigene Zuhause ist der Ort, an dem man sich am sichersten fühlt. Gerade deshalb werden mögliche Gefahrenquellen dort oft unterschätzt. Eine hochstehende Teppichkante, wenig Licht im Flur oder ein glatter Boden im Badezimmer können im Alltag schnell zum Risiko werden.
Mit gezielter Sturzprävention zuhause lässt sich die Sicherheit deutlich verbessern. Dabei geht es nicht nur darum, die Wohnung anzupassen. Auch Bewegung, gutes Schuhwerk, das Sehvermögen und bestimmte Medikamente können Einfluss darauf haben, wie sicher sich ein Mensch im Alltag bewegt.
Schon kleine Veränderungen können viel dazu beitragen, dass ältere Menschen sich zuhause sicherer bewegen und möglichst lange selbstständig bleiben können.
Weshalb Stürze im Alter häufiger vorkommen
Mit den Jahren verändern sich häufig Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht. Manche Menschen werden beim Gehen vorsichtiger, andere reagieren langsamer oder sehen Hindernisse nicht mehr so schnell.
Auch Kreislaufprobleme, Schwindel oder bestimmte Medikamente können dazu beitragen, dass das Risiko für einen Sturz steigt.
Im Haushalt kommen weitere Gefahren hinzu. Dazu gehören zum Beispiel:
- lose oder hochstehende Teppiche
- Kabel in Laufwegen
- Türschwellen
- glatte Bodenflächen
- verrutschende Badematten
- schlecht beleuchtete Flure oder Treppen
- unsicheres Schuhwerk
- Möbel oder Gegenstände, die Wege einengen
Etwa 30 von 100 Menschen über 65 Jahren, die zuhause leben, stürzen Schätzungen zufolge mindestens einmal innerhalb eines Jahres. Wer schon einmal gestürzt ist, trägt zudem ein höheres Risiko, erneut zu fallen.
Freie Wege schaffen
Eine der einfachsten Maßnahmen ist es, die Wohnung einmal ganz bewusst auf Stolperfallen zu überprüfen.
Teppiche sollten sicher aufliegen. Kabel sollten möglichst an der Wand entlanggeführt werden und nicht quer durch den Raum verlaufen. Auch kleine Möbel, Pflanzenständer oder Dekorationen können problematisch werden, wenn sie häufig genutzte Wege verengen.
Wer einen Rollator oder eine andere Gehhilfe nutzt, braucht ausreichend Bewegungsfläche. Besonders wichtig sind freie Wege zwischen Schlafzimmer, Badezimmer, Küche und Wohnzimmer.
Oft hilft es, die gewohnten Laufwege einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wo muss ausgewichen werden? Wo fehlt Halt? Welche Stelle ist nachts besonders dunkel?
Das Badezimmer sicher gestalten
Im Badezimmer treffen glatte Oberflächen und Feuchtigkeit aufeinander. Dadurch entsteht schnell eine erhöhte Sturzgefahr.
Mehr Sicherheit können unter anderem folgende Maßnahmen schaffen:
- fest montierte Haltegriffe
- rutschhemmende Bodenbeläge
- eine bodengleiche Dusche
- ein stabiler Duschstuhl
- ein gut erreichbarer Duschkopf
- ausreichend Bewegungsfläche
- eine erhöhte Toilettensitzfläche
Auch Badematten sollten genau geprüft werden. Wenn sie verrutschen oder sich an den Kanten hochstellen, erhöhen sie das Risiko eher, als dass sie Sicherheit schaffen.
Helle Räume geben Orientierung
Licht spielt für die Sicherheit zuhause eine große Rolle.
Flure, Treppen, Eingangsbereiche und der Weg zum Badezimmer sollten gut ausgeleuchtet sein. Besonders nachts können Bewegungsmelder oder kleine Orientierungslichter hilfreich sein.
Eine gleichmäßige Beleuchtung erleichtert es, Hindernisse, Stufen und Kanten rechtzeitig zu erkennen. Sehr dunkle Bereiche oder starke Hell-Dunkel-Wechsel können die Orientierung erschweren.
Bewegung erhält Sicherheit
Nach einem Sturz entsteht häufig Unsicherheit. Manche Menschen beginnen dann, sich weniger zu bewegen, weil sie Angst vor einem weiteren Sturz haben.
Das kann jedoch genau den gegenteiligen Effekt haben. Wer sich weniger bewegt, verliert mit der Zeit Muskelkraft, Gleichgewicht und Sicherheit beim Gehen.
Regelmäßige Bewegung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Sturzprävention im Alter.
Je nach körperlicher Verfassung können geeignet sein:
- Spaziergänge
- leichte Gymnastik
- Gleichgewichtsübungen
- Übungen zum Aufstehen und Hinsetzen
- gezieltes Krafttraining
Bei gesundheitlichen Einschränkungen sollte vorab mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer therapeutischen Fachkraft geklärt werden, welche Übungen sinnvoll sind.
Auf sicheres Schuhwerk achten
Auch Schuhe können einen großen Unterschied machen.
Offene Hausschuhe, sehr weite Modelle oder Sohlen ohne ausreichenden Halt können das Stolpern begünstigen. Auch das Laufen in Socken auf glatten Böden ist nicht ideal.
Besser geeignet sind gut sitzende Schuhe mit fester Ferse und rutschhemmender Sohle.
Auch Kleidung sollte nicht zu lang sein. Hosenbeine oder lange Bademäntel können schnell dazu führen, dass man hängen bleibt oder auf den Stoff tritt.
Sehvermögen im Blick behalten
Wer nicht mehr gut sieht, erkennt kleine Hindernisse, Stufen oder Kanten häufig erst spät.
Regelmäßige Kontrollen des Sehvermögens sind deshalb gerade im höheren Alter sinnvoll. Auch eine bereits vorhandene Brille sollte überprüft werden, wenn sich das Sehen verändert oder beim Gehen zunehmend Unsicherheit auftritt.
Eine passende Sehhilfe trägt dazu bei, sich in der eigenen Umgebung besser orientieren zu können.
Medikamente als möglichen Einflussfaktor beachten
Nicht nur die Umgebung kann das Sturzrisiko erhöhen.
Bestimmte Medikamente können Müdigkeit, Schwindel oder einen niedrigen Blutdruck verursachen. Das kann zum Beispiel bei einigen Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln oder blutdrucksenkenden Medikamenten der Fall sein.
Wer häufiger Schwindel verspürt oder bereits mehrfach gestürzt ist, sollte die eigene Medikation ärztlich überprüfen lassen.
Medikamente sollten dabei niemals eigenständig abgesetzt oder verändert werden.
Eine aktuelle Medikamentenliste kann helfen, auch mögliche Wechselwirkungen zwischen mehreren Präparaten zu berücksichtigen.
Treppen und Schwellen entschärfen
Treppen sollten möglichst mit stabilen Handläufen ausgestattet sein.
Je nach Situation kann es sinnvoll sein, auf beiden Seiten eine Möglichkeit zum Festhalten zu schaffen. Gut sichtbare Stufenkanten können zusätzlich helfen.
Auch Türschwellen sind typische Stolperstellen. Wo es möglich ist, sollten sie entfernt oder abgeflacht werden. Alternativ können geeignete Schwellenrampen eingesetzt werden.
Bei stärkeren Einschränkungen der Mobilität können auch größere Maßnahmen wie Rampen oder ein Treppenlift eine sinnvolle Lösung sein.
Mit einem Hausnotruf schneller Hilfe erreichen
Nicht jeder Sturz lässt sich vollständig verhindern.
Deshalb kann es sinnvoll sein, auch für den Ernstfall vorzusorgen. Ein Hausnotruf ermöglicht es, schnell Kontakt zu einer Notrufzentrale aufzunehmen.
Besonders für ältere Menschen, die häufig alleine zuhause sind, kann das zusätzliche Sicherheit schaffen. Auch Angehörige empfinden ein solches System oft als beruhigend.
Zuschüsse für Wohnraumanpassungen nutzen
Kleinere Veränderungen lassen sich oft direkt umsetzen. Andere Maßnahmen sind mit höheren Kosten verbunden.
Dazu gehören zum Beispiel der pflegegerechte Umbau eines Badezimmers, breitere Türen, fest installierte Rampen oder ein Treppenlift.
Menschen mit Pflegegrad 1 bis 5 können bei ihrer Pflegekasse einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen beantragen. Aktuell sind bis zu 4.180 Euro je Maßnahme möglich.
Voraussetzung ist, dass die Anpassung die Pflege zuhause ermöglicht oder erleichtert oder dazu beiträgt, die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person zu fördern.
Vor größeren Umbauten empfiehlt es sich, frühzeitig Kontakt mit der Pflegekasse aufzunehmen und sich über die Voraussetzungen zu informieren.
Nach einem Sturz die Ursache prüfen
Ein Sturz hat nicht immer nur eine offensichtliche Ursache.
Wenn jemand häufiger fällt, unter Schwindel leidet oder beim Gehen plötzlich deutlich unsicherer wird, sollte genauer hingeschaut werden.
Neben der Wohnsituation können auch Muskelkraft, Gleichgewicht, Blutdruck, Sehvermögen oder Medikamente eine Rolle spielen.
Bei neuen oder plötzlich auftretenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Angst vor dem nächsten Sturz ernst nehmen
Nach einem Sturz bleibt bei vielen Menschen Unsicherheit zurück.
Manche vermeiden anschließend bestimmte Wege oder reduzieren ihre Bewegung insgesamt. Das ist nachvollziehbar, kann jedoch dazu führen, dass Kraft und Beweglichkeit weiter nachlassen.
Sturzprävention bedeutet deshalb nicht, sich möglichst wenig zu bewegen.
Viel wichtiger ist es, Gefahren im Alltag zu reduzieren und gleichzeitig die vorhandene Mobilität weiter zu fördern.
Fazit: Mehr Sicherheit beginnt oft mit kleinen Schritten
Für ein sicheres Zuhause sind nicht immer große Umbauten notwendig.
Freie Wege, gutes Licht, geeignetes Schuhwerk, Haltegriffe und ein sicher gestaltetes Badezimmer können bereits viel bewirken.
Ebenso wichtig ist es, Bewegung und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Wer Risikofaktoren früh erkennt und die Wohnumgebung entsprechend anpasst, kann viel dazu beitragen, den Alltag sicherer zu gestalten.
Custor24/7 unterstützt ältere Menschen und ihre Angehörigen dabei, den Alltag zuhause zuverlässig zu organisieren und die Selbstständigkeit im vertrauten Umfeld so lange wie möglich zu bewahren.
